Das fokussierte Unternehmen

alt

Aus unserer Projekterfahrung haben sich fünf Fragen herauskristallisiert, mit denen CEOs die potenziellen Problembereiche ihres Unternehmens erkennen können. Sie lauten:

• Investieren Sie genügend, um in allen Märkten und Regionen, in denen Sie im Wettbewerb stehen, und in jedem Geschäftsbereich Ihres Unternehmens, erfolgreich zu sein?

• Spricht Ihr Produktportfolio alle Kundenkategorien an?

• Ist Ihre Organisation so aufgebaut, dass sie sämtliche Prozesse und Funktionen Ihres Unternehmens unterstützt?

• Erwarten Sie von jedem Funktionsbereich in Ihrem Unternehmen, dass Prozesse so aufgesetzt sind, dass Effizienzsteigerungen möglich sind?

• Sind Ihre IT-Systeme und -Anwendungen so aufgebaut, dass sie sämtliche bestehende Unternehmensprozesse unterstützen?

Auf den ersten Blick definieren diese Fragen Zielsetzungen, die jedes Unternehmen verfolgen sollte. Aber genau darin liegt das Problem: Kann man auf jede Frage mit „Ja“ antworten, ist dies ein Zeichen für zu viel Komplexität. Ein fokussiertes Unternehmen ist ein Unternehmen, das seine Komplexität auf ein Mindestmaß verringern konnte. Es hat nicht das Ziel, in allen Märkten und in allen Geschäftsbereichen erfolgreich zu sein, sondern konzentriert sich auf seine Kernkompetenz. Ein fokussiertes Unternehmen kann nicht für jeden potenziellen Kunden attraktiv sein. Daher konzentriert es sich auf die Kunden, die es - besser als der Wettbewerb - bedienen kann.

Komplexität ist ein natürliches Merkmal von Organisationen. Sie hat mit der Unternehmensgröße zu tun, aber auch mit vielen Einzelentscheidungen, die – einmal falsch getroffen und abgestimmt - ein Unternehmen regelrecht lahmlegen können. Ein zu breites Leistungsspektrum ist ein treibender Faktor für Komplexität. Ununterbrochen werden Prozesse im Kundenservice geändert, Produkte in der Forschungs- & Entwicklungsabteilung überarbeitet, Marketingmaßnahmen angepasst. Das alles erhöht die Kunden-, Produkt- und Prozesskomplexität in der Organisation. Aber auch Wachstum erzeugt Komplexität: In neue Märkte und Länder einzutreten bedeutet neue Rahmenbedingungen und Anforderungen, die geklärt werden müssen. Die Übernahme eines Unternehmens vergrößert die gesamte Unternehmensstruktur, weshalb Verantwortlichkeiten und Ziele neu definiert werden müssen.

Unter diesen Umständen ist es kaum verwunderlich, dass fast 80 Prozent der befragten Manager der Bain-Studie angaben, dass sie in den nächsten fünf Jahren ein sehr hohes Maß an Komplexität erwarten. Umso wichtiger ist es, womöglich auftretender Komplexität vorzubeugen und entscheidende Schritte rechtzeitig einzuleiten. Viele Unternehmen werden aber erst zu spät aktiv und stellen dann fest, dass der Kampf gegen die Komplexität einer Sisyphusarbeit gleicht. Wie sich die Luft beim Zusammendrücken eines Ballons an einer anderen Stelle ausdehnt, tritt Komplexität dann in einem neuen Unternehmensbereich auf.

Betrachtet man nur einen einzelnen Bereich im Unternehmen, bleibt der Erfolg im Kampf gegen Komplexität oft aus, da sich die Wechselbeziehungen zwischen Einzelentscheidungen auf alle betroffenen Unternehmensbereiche auswirken. Ein Bereich nach dem anderen muss also systematisch in Angriff genommen werden. So kann Komplexität nachhaltig verringert werden. Unsere Studie „The focused company“ stellt fünf Unternehmensbereiche vor, denen besonderes Augenmerk gelten sollte.

Mark Gottfredson ist Partner bei  Bain & Company in Dallas und ein Senior Mitglied der globalen Performance Improvement Praxisgruppe.