Ist Ihre Supply Chain bereit für den Brexit?

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Seit über 40 Jahren richten Europas Unternehmen ihre Lieferketten auf eine zollfreie Handelsordnung mit wenig Verwaltungsaufwand aus. Doch der Brexit könnte dieses effiziente System auf den Kopf stellen. Unsicherheit über die endgültige Regelung und die Dauer der Verhandlungen, aber auch die Übergangszeit stellen viele Manager vor ein Dilemma.

Ein harter Brexit kann die Rentabilität von Unternehmen, die in Großbritannien tätig sind, stark verschlechtern. Beeinträchtigungen in der Lieferkette können die Nettogewinne der wichtigen britischen Fertigungsindustrien um 30 Prozent oder 3 Milliarden Pfund schmälern. Die Automobil- und Technologiebranche wären laut Bain-Analysen am stärksten betroffen. Sich jetzt schon auf einen harten Brexit einzustellen, könnte sich rächen. Die Austrittsverhandlungen zwischen Großbritannien und der EU können sich über Jahre hinziehen. Im Falle eines weichen Brexit oder gar eines Verbleibs in der EU riskieren britische Unternehmen, die ihre Produktions- oder Beschaffungskapazitäten aus dem Land abziehen, unnötig höhere Kosten.

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Abwarten allerdings ist die riskanteste Strategie. Firmen prosperieren auch in unsicheren Zeiten, weil sie den Wandel in ihre strategische Planung einkalkulieren. Unabhängig vom Szenario ist das Timing ein Schlüsselfaktor. Zudem empfiehlt es sich, Maßnahmen zu entwickeln, die eine bestmögliche Entwicklung in jeder Situation gewährleisten.

Maßnahmen ohne Reue

Die Verbesserung der Kostenbasis oder der Betriebsleistung sind Managementaufgaben, die ein Unternehmen in jedem Szenario stärken. So errichtete ein britischer Einzelhändler sein internationales Zentrallager außerhalb des Landes, um sich auf den Brexit-Fall vorzubereiten, und konnte sich damit gleichzeitig geografisch günstiger aufstellen.

Strategische Optionen und Absicherungen

Wer verschiedene Zukunftsszenarien entwickelt, ist auf unvorhersehbare Ereignisse besser vorbereitet. In Großbritannien produzierende Unternehmen können sich für den Fall eines harten Brexit absichern, indem sie Pilotanlagen in der EU aufbauen, deren Kapazitäten sie zügig nach oben oder unten skalieren können.

Hohe Einsätze

Die schwierigste Gratwanderung betrifft Großinvestitionen, die sich je nach Szenario völlig unterschiedlich auswirken können. Mit seiner Entscheidung, neue Modelle in Großbritannien fertigen zu lassen, setzt der Autobauer Nissan beispielsweise darauf, dass das Land mit der EU eine Null-Zoll-Politik aushandeln wird. Toyota hingegen wartet deutlichere Signale zur künftigen Zollregelung ab. Andererseits können Markenunternehmen mit starker nationaler Identität gute Gründe für den Verbleib in Großbritannien haben – trotz möglicherweise ungünstigerer finanzieller Faktoren.