Front Line of Healthcare Report 2016: Vier EU-Länder im Vergleich

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Für die Studie „Front Line of Healthcare Report 2016“ wurden nahezu 1.200 Ärzte neun verschiedener Fachrichtungen sowie Krankenhausmanager aus knapp 170 Kliniken in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien befragt. Beleuchtet werden die Unterschiede der Gesundheitssysteme in den vier EU-Ländern. Die gleiche Untersuchung hat Bain 2015 in den USA durchgeführt, so dass ein Vergleich mit diesen Ergebnissen in die aktuelle Studie einfließen konnte.

Ein Ergebnis ist, dass Klinikärzte in Europa ausgesprochen unzufrieden mit der Behandlungsqualität ihrer Krankenhäuser sind – und dafür vor allem den starken Kostendruck in ihren nationalen Gesundheitssystemen verantwortlich machen. Nicht einmal die Hälfte der Klinikärzte in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien würde ihr Krankenhaus Freunden oder Kollegen für eine medizinische Behandlung empfehlen.

Weiterhin bringt die Studie zutage, dass angesichts des Kostendrucks innerhalb der Gesundheitssysteme in Europa teure Diagnostikgeräte und Medizinprodukte ganz oben auf der Streichliste von Klinikmanagern stehen. Für rund 39 Prozent liegen die größten Einsparpotenziale in der Begrenzung von vermeintlich überflüssigen Verfahren in der chirurgischen Diagnostik. Bei orthopädischen Medizinprodukten wie Knochenimplantaten sieht nahezu jeder Dritte (29 Prozent) und bei kardiologischen Geräten wie Defibrillatoren fast jeder Vierte (24 Prozent) Möglichkeiten, Kapazitäten abzubauen.

Die Studie hat auch ergeben, dass niedergelassene Ärzte in Frankreich und Deutschland deutlich mehr Handlungsspielraum bei der Verschreibung von Arzneimitteln als ihre Kollegen in Italien und Großbritannien sehen. Während französische (80 Prozent) und deutsche Mediziner (62 Prozent) ihre Entscheidungen hinsichtlich der Medikamentenverschreibung weitestgehend selbstbestimmt treffen, sind Ärzte in Italien (38 Prozent) und Großbritannien (25 Prozent) deutlich eingeschränkter. Dies hängt vor allem mit der Regulierung der einzelnen Gesundheitsmärkte zusammen. Je stärker ein Markt reguliert und systematisiert ist – so wie in Großbritannien und Italien –, desto spürbarer greifen die Krankenversicherer in die Entscheidungshoheit der Ärzte ein.

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