Eine gute Trennung beherrschen

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Ist es an der Zeit, sich zu trennen?

Investoren, Bankfachleute, Wertpapieranalysten und Vorstandsmitglieder versuchen verstärkt Beweise dafür zu finden, dass ein gezielt ausgerichtetes Unternehmen mehr wert sein wird, wenn es in zwei Teile gespalten wird. Dieser Anstoß, den Unternehmenswert durch eine Neuausrichtung auf das Kerngeschäft zu steigern, hat jüngst in den unterschiedlichsten Branchen – von Finanzdienstleistungen und Energie über Pharmazeutika bis zu Konsumgüter – einen Boom der Unternehmensaufspaltungen ausgelöst. Und er scheint anzuhalten.

Mit zunehmend prüfendem Blick betrachten Führungskräfte ihre Portfolios und entscheiden sich in beispielloser Zahl für eine Trennung. Eine wachsende Zahl von Geschäftsführungs- und Vorstandsriegen, insbesondere jene von multidisziplinären öffentlichen Körperschaften mit rückständigen Aktienrenditen, zieht diese Möglichkeit angriffslustig in Betracht, in einigen Fällen auch, um einem aktivistischen Wertpapierfonds zuvorzukommen – oder darauf zu reagieren. Trennungen können mehrere Formen annehmen: Veräußerungen an strategische Anleger oder Finanzinvestoren, Ausgliederungen und vollständige Spin-offs. Obwohl diese Transaktionen nicht neu sind, betreffen sie, im Gegensatz zur Abwicklung der Mischkonzerne in den 1980er- und 1990er-Jahren, verstärkt auch verwandte Geschäftsbereiche innerhalb eines Unternehmensportfolios.

Die Entscheidung zu diesem großen Schritt ist nicht einfach. Derartige Trennungen sind teuer, wobei allein die Transaktionskosten durchschnittlich ein Prozent des Konzernumsatzes betragen. Sie sind zudem zeitaufwändig und dauern in der Regel zwischen 12 und 18 Monate von der Entscheidung bis zum Abschluss. Wie jeder, der eine Trennung in Angriff genommen hat, bestätigen kann, sind sie auch ressourcenintensiv und potenziell störend.

Bain & Company wollte herausfinden, wie häufig sich derartige Trennungen lohnen. Dabei galt es zu verstehen, welcher Wert entsteht, wenn zwei separate Aktiengesellschaften gebildet werden – in der Regel über eine steuerfreie Ausgliederung einer der Einheiten – aus einem Portfolio, das über ein gewisses Maß an strategischer und betrieblicher Integration verfügte. Bain untersuchte 40 solcher Transaktionen, die im Zeitrahmen von 2001 bis 2010 stattfanden und an denen Unternehmen verschiedener Branchen, die mit mehr als einer Milliarde Dollar bewertet werden, beteiligt waren. Die Bain-Analyse, zu der auch ausführliche Interviews mit Führungskräften gehörten, hat gezeigt, dass die langen, komplizierten und kostspieligen Verfahren zu gemischten Ergebnissen geführt haben. Während die ausgegliederte Einheit oft eine positive Rendite erwirtschaftet, übersteigen die zusammengefassten Aktienrenditen in den ersten 18 Monaten nach der Trennung im Durchschnitt nicht den S&P.

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