Deutschlands Banken 2015: Die 25-Milliarden-Ergebnislücke

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Für die deutschen Banken war 2014 einmal mehr kein einfaches Jahr. Es war geprägt vom Niedrigzinsumfeld, weiter steigenden Regulierungsanforderungen und Anstrengungen vieler Häuser, ihre Geschäftsmodelle neu auszurichten.

Verbesserte Ertragslage, steigende Kosten

Parallel zum erstmaligen Anstieg der kumulierten Bilanzsumme der deutschen Kreditinstitute seit 2011 hat sich auch die nach wie vor angespannte Ertragssituation im Jahr 2014 leicht verbessert. Beim Wachstum des Zinsüberschusses auf rund 90 Milliarden Euro profitierten die Finanzinstitute weiterhin von der Fristentransformation und von günstigen Refinanzierungskosten, die nun allerdings einen vorläufigen Tiefstand erreicht haben dürften. Erhöhte Entgelte, aber auch Bewertungseffekte im Wertpapiergeschäft sorgten gleichzeitig für einen Anstieg des Provisionsüberschusses um vier Prozent auf rund 30 Milliarden Euro.

Überraschend wenig getan hat sich hingegen auf der Kostenseite. Zwar setzte sich der langfristige Trend zur Konsolidierung 2014 fort – die Zahl der Banken sank um 57 Institute, 1.100 Filialen wurden geschlossen, 5.000 Mitarbeiter abgebaut. Doch der Verwaltungsaufwand der deutschen Kreditinstitute stieg trotz aller Restrukturierungsbemühungen weiter an. Treiber waren vor allem die Kosten für die steigenden regulatorischen Anforderungen, die sich für die gesamte Branche auf mehr als zwei Milliarden Euro pro Jahr belaufen. Dies wird vor allem für kleine und mittelgroße Finanzhäuser zu einer ernst zu nehmenden Herausforderung, da die hohen Belastungen von einem geringeren Geschäftsvolumen getragen werden müssen. Insgesamt lag die Cost-Income-Ratio (CIR) mit 70 Prozent für den Gesamtmarkt bei ihrem langfristigen Durchschnitt.

Ergebnislücke von 25 Milliarden Euro

Der Blick auf die Profitabilität der Branche zeigt überdeutlich, dass die deutschen Banken sich weiterhin in einer herausfordernden Lage befinden. Nach wie vor verdienten nur knapp sechs Prozent der Kreditinstitute ihre aufgrund des gesunkenen risikofreien Zinssatzes leicht rückläufigen Eigenkapitalkosten. Die Eigenkapitalrendite nach Steuern lag im Schnitt bei 2,1 Prozent. Verglichen mit Eigenkapitalkosten von durchschnittlich 7,7 Prozent ergibt sich 2014 damit eine Ergebnislücke nach Steuern von insgesamt 25 Milliarden Euro. Dazu beigetragen hat auch die regulierungsbedingte Erhöhung der Eigenkapitalquote von durchschnittlich 5,4 Prozent im Jahr 2013 auf 5,9 Prozent 2014.

Gleichzeitig ist Bewegung im Markt zu erkennen: Der Abstand zwischen den renditestärksten und renditeschwächsten Banken hat sich im Verlauf der letzten fünf Jahre weiter vergrößert und ist heute durchaus beachtlich. Während sich dies in der Vergangenheit überwiegend aus der Differenz im Zinsergebnis erklärte, hat die Vorteilhaftigkeit der Kostenposition im Zeitverlauf eine immer größere Bedeutung erlangt. Das gilt auch für den Vergleich zwischen und innerhalb der Institutsgruppen, in denen sich die führenden Finanzinstitute immer weiter absetzen. Die Auslese im Markt hat nachweislich begonnen.

Radikale strukturelle Kostensenkung ist alternativlos

Bain hat für den deutschen Markt analysiert, wie sich die Ergebnislücke in den kommenden zehn Jahren entwickeln wird. Das Ergebnis: Angesichts limitierter Potenziale auf der Ertragsseite aufgrund des weiter bestehenden Niedrigzinsumfelds und hohem Wettbewerbsdruck, weiter steigenden Anforderungen an die Eigenkapitalausstattung sowie einer zu erwartenden leichten Erhöhung der Risikokosten wird die Verbesserung der Kostenposition für die Kreditinstitute zum entscheidenden Hebel.

Bain geht davon aus, dass Deutschlands Banken die Möglichkeiten besitzen, ihre derzeitige Kostenbasis um rund 30 Prozent und damit um 25 Milliarden Euro zu senken. Dies erfordert unter anderem den Abbau von 11.000 Filialen und 125.000 Arbeitsplätzen. Bis zu 115.000 weitere Arbeitsplätze können nach Bain-Einschätzung an Dienstleister wie Servicegesellschaften ausgelagert werden. Ein Kostenabbau in dieser Dimension ist eine enorme Herausforderung. Es gilt, das eigene Geschäftsmodell neu zu denken und sich strukturell neu aufzustellen.

Sieben Stellhebel zur Einsparung von 30 Prozent der Kostenbasis

In der Bain-Analyse wurde die Kostenstruktur der Kreditinstitute entlang der Wertschöpfungskette in den Blöcken Vertriebs-, Produktions- und Steuerungsbank detailliert auf Einsparpotenziale sowie mögliche gegenläufige Effekte untersucht. Neben der notwendigen Schaffung einer konsequenten Effizienzkultur und Einrichtung einer geeigneten Governance zur nachhaltigen Absicherung von Kostenpotenzialen sind sieben Stoßrichtungen identifiziert worden, die es ermöglichen, die heutige Kostenbasis von 84 Milliarden Euro um 30 Prozent zu senken:

  1. Anpassung des Geschäftsportfolios
  2. Automatisierung und Digitalisierung
  3. Reduktion der organisatorischen Komplexität
  4. Reduktion der Wertschöpfungstiefe
  5. Transformation der IT
  6. Senkung der Sachkosten
  7. Konsolidierung

Rendite von fünf Prozent ist möglich

Auch maximale Kosteneinsparungen werden jedoch aller Voraussicht nach in den nächsten zehn Jahren nicht ausreichen, um die künftigen Eigenkapitalkosten im Durchschnitt der Institute zu erwirtschaften. Nach dem Bain-Szenario, das mittelfristig eine leichte Zinswende der Europäischen Zentralbank unterstellt, wäre bis 2025 aber zumindest eine Halbierung der Ergebnislücke auf 13 Milliarden Euro möglich. Die durchschnittliche Eigenkapitalrendite nach Steuern würde sich trotz der unterstellten zusätzlichen Eigenkapitalanforderungen mit 4,9 Prozent mehr als verdoppeln – bleibt aber damit immer noch unter erwarteten Eigenkapitalkosten von 6,6 Prozent. Dabei trennt sich im Wettbewerb zunehmend die Spreu vom Weizen. Diejenigen Banken, die sich jetzt auf die neuen Bedingungen sowie auf die unausweichliche Konsolidierung einstellen, werden aus dem Anpassungsprozess als klare Gewinner hervorgehen.